Nach der Schule begann ich eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellte. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete ich noch zwei Jahre in einer Kanzlei, doch auf Dauer war mir die Arbeit zu eintönig. Auch verstand ich mich mit einem der drei Anwälte, für die ich arbeitete, nicht. Also hörte ich ziemlich spontan dort auf - aber was sollte ich nun machen? Ich bewarb mich in einem CallCenter, nur für den Übergang, bis mir klar wäre, was ich machen wolle... Diese "Übergangsphase" dauerte fast fünf Jahre. Die Arbeit in einem Inbound-CallCenter gefiel mir überraschend gut. Nicht wegen der Arbeit als solcher, sondern wegen der vielen Kollegen, die Alle so vollkommen unterschiedlich waren und sich trotzdem verstanden. Da saßen pensionierte Lehrer, Gothics, Studenten, Hausfrauen, Punks, eher rechts gesinnte Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund... und Alle hatten Spaß miteinander... Doch nach fünf Jahren wurde das CallCenter geschlossen und in die Hauptstadt verlegt. Ich versuchte es dann in Outbound-CallCentern, doch der Verkauf am Telefon war nichts für mich.
So landete ich schließlich als Verkäuferin erst in einer Bäckerei, dann in einem Supermarkt und dann bei der Firma Nordsee. Auch dort machte mir die Arbeit Spaß, aber auf Dauer schien das nichts zu sein. Ich begann, im Internet nach Berufen mit Tieren zu schauen, Tierarzthelferin z.B. erschien mir auch als lohnender Beruf. Bei all meinen Recherchen stieß ich auf einen ganz anderen Bereich: Palliativmedizin. Aus irgendeinem Grund packte mich das. Die Arbeit mit Sterbenden, ja, das erschien wirklich sinnvoll. Doch für eine Arbeit im Hospiz benötigt man eine Ausbildung zur Krankenschwester - oder eben zur Altenpflegerin. Mir war sofort klar: Altenpflege kommt nicht in Betracht! Ich hatte ja nicht einmal zu meinen eigenen Großeltern ein gutes Verhältnis gehabt. Und außerdem hört man ja immer nur Schlechtes über Altenheime. Doch ich war zu dieser Zeit nunmal schon Mitte 30, da muß man flexibel sein. Ich bewarb mich in Krankenhäusern und schließlich auch in Pflegeheimen. Von den Krankenhäusern bekam ich teilweise gar keine Antwort, die Altenpflege h eine hingegen meldeten sich binnen weniger Tage und luden mich zu Vorstellungsgesprächen ein.
Gleich in mein ersten Vorstellungsgespräch bot man mir einen Ausbildungsvertrag an, doch ich zögerte. Das Heim war groß, sechs Stationen mit je 26 Bewohnern. Das Gebäude war alt, die Gänge dunkel, nicht sehr einladend. Doch der Heimleiter war nett und sympathisch, es gab einen schönen Garten, eine Vogelvoliere, ein paar Kaninchen... Ich schlug vor, mich erst einmal eine Woche probearbeiten zu lassen. Darauf einigten wir uns. Für mich war klar: ich probieren das jetzt, werde feststellen, dass das nichts für mich ist und mich vermehrt um eine Ausbildung im Krankenhaus bemühen.
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